Bildung30. September 2026

Fachhochschule oder Universität: Was Studieninteressierte wissen sollten

Wer die Matura in der Tasche hat oder kurz davorsteht, muss sich früh entscheiden: Fachhochschule oder Universität? Beide Wege führen zu anerkannten Abschlüssen. Studienalltag und Aufnahme laufen aber sehr unterschiedlich ab. Dieser Überblick stützt sich auf Angaben des Bildungsministeriums (BMBWF), der Fachhochschulkonferenz (FHK) und der Universitätenkonferenz (uniko).

Zwei Hochschultypen, ein gemeinsamer Rahmen

In Österreich gibt es laut uniko 22 öffentliche Universitäten, dazu mehr als 20 Fachhochschulen, die in der FHK organisiert sind. Standorte gibt es in allen neun Bundesländern, von Dornbirn bis Eisenstadt. Die großen Universitätsstädte sind Wien, Graz, Linz, Innsbruck und Salzburg. Fachhochschulen sitzen oft auch in kleineren Städten wie Wiener Neustadt, Krems, Wels oder Kufstein.

Die Abschlüsse sind gleichwertig. Ein Bachelor der FH Joanneum hat denselben rechtlichen Rang wie ein Bachelor der Universität Graz. Beide berechtigen zu einem Masterstudium, auch am jeweils anderen Hochschultyp. Einen Unterschied gibt es beim Doktorat: Das vergeben nur Universitäten. FH-Absolventinnen und -Absolventen mit Master können aber an einer Uni ein Doktoratsstudium beginnen.

Studienalltag: Stundenplan gegen Eigenregie

Fachhochschule

An der FH bekommen Studierende einen festen Stundenplan, ähnlich wie in der Schule. Die Lehrveranstaltungen sind in Jahrgänge organisiert, in vielen Kursen gilt Anwesenheitspflicht. Die Gruppen sind kleiner, die Lehrenden kennen ihre Studierenden meist beim Namen. Ein Berufspraktikum ist in fast allen Bachelorstudien fix eingeplant, oft im fünften oder sechsten Semester.

Der Vorteil: Wer im vorgesehenen Tempo mitkommt, schließt in der Regelstudienzeit ab. Der Nachteil: Wenig Spielraum, wenn nebenbei gearbeitet wird oder ein Semester schwierig läuft.

Universität

An der Universität stellen sich Studierende ihren Semesterplan weitgehend selbst zusammen. Vorlesungen haben meist keine Anwesenheitspflicht, Übungen und Seminare dagegen schon. Der Schwerpunkt liegt stärker auf Theorie und wissenschaftlichem Arbeiten. Das passt zu Menschen, die sich selbst organisieren können und fachlich in die Tiefe gehen wollen.

Diese Freiheit hat ihren Preis. Laut Statistik Austria brauchen viele Uni-Studierende deutlich länger als die vorgesehenen sechs Semester für den Bachelor. Gerade im ersten Jahr fehlt manchen die Struktur, die sie aus der Schule gewohnt sind.

Zugang und Aufnahme

Für beide Hochschultypen gilt als Grundvoraussetzung die Hochschulreife. Die bekommt man über die Matura an einer AHS oder BHS, über die Berufsreifeprüfung oder über eine Studienberechtigungsprüfung für das gewünschte Fach. Wer noch zwischen Schulformen schwankt, findet im Artikel AHS oder BHS eine Entscheidungshilfe.

Fachhochschulen öffnen zusätzlich einen Weg ohne Matura: Wer eine einschlägige berufliche Qualifikation hat, etwa einen passenden Lehrabschluss, kann nach Zusatzprüfungen aufgenommen werden. Das steht so im Fachhochschulgesetz.

Der große Unterschied liegt im Aufnahmeverfahren. FH-Studiengänge haben eine fixe Zahl an Plätzen, die vom Bund finanziert werden. Bewerberinnen und Bewerber durchlaufen meist einen schriftlichen Test und ein Aufnahmegespräch. An Universitäten ist die Zulassung in den meisten Fächern offen. Aufnahmeverfahren gibt es vor allem in stark nachgefragten Studien wie Medizin, Psychologie oder Informatik.

Fristen: Die FH ist früher dran

Viele unterschätzen den Zeitplan. FH-Bewerbungen für das Wintersemester laufen oft von Herbst bis ins Frühjahr, manche Studiengänge schließen die Frist schon im Februar oder März. Wer bis zur Matura wartet, kommt bei beliebten Studiengängen zu spät.

An Universitäten endet die allgemeine Zulassungsfrist für das Wintersemester in der Regel am 5. September. Für Fächer mit Aufnahmeverfahren gilt das nicht: Die Online-Registrierung für den MedAT etwa läuft bereits im Frühjahr. Die Termine rund um die Reifeprüfung stehen im Artikel Matura 2026: Wichtige Termine und Vorbereitung. Wer Bewerbungsgespräche, Tage der offenen Tür und Prüfungen koordinieren muss, behält mit dem Jahreskalender den Überblick über freie Tage.

Was das Studium kostet

An öffentlichen Universitäten zahlen Studierende aus Österreich und der EU keinen Studienbeitrag, solange sie die Mindeststudienzeit plus zwei Toleranzsemester einhalten. Danach werden 363,36 Euro pro Semester fällig. Fachhochschulen dürfen denselben Betrag von Beginn an verlangen, die meisten tun das auch. Dazu kommt an beiden Hochschultypen der ÖH-Beitrag.

Die größeren Posten sind Wohnen und Lebenshaltung. Wer für das Studium umzieht, sollte die Mieten am Studienort vergleichen. Unterstützung gibt es über Studienbeihilfe und Familienbeihilfe, Details dazu veröffentlicht das BMBWF auf seiner Website.

Studieren neben dem Beruf

Fachhochschulen bieten viele Studiengänge berufsbegleitend an, mit Lehrveranstaltungen am Abend, am Freitag oder am Samstag. Das richtet sich an Menschen mit Job, die sich weiterqualifizieren wollen. An Universitäten gibt es solche Formate seltener. Dort arbeiten viele Studierende nebenbei, müssen den Stundenplan aber selbst um die Arbeitszeit herum bauen.

Wie man sich entscheidet

Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Diese Fragen helfen bei der Einordnung:

  • Lerntyp: Wer feste Abläufe schätzt und gerne in einer Gruppe lernt, kommt an der FH meist gut zurecht. Wer eigenständig arbeitet und Freiraum braucht, ist an der Uni oft besser aufgehoben.
  • Berufsziel: Für einen konkreten Beruf in Technik, Wirtschaft oder Gesundheit bietet die FH einen direkten Weg. Wer in die Forschung will oder ein Fach wie Jus, Medizin oder Lehramt anstrebt, muss ohnehin an die Uni.
  • Lebenssituation: Mit Job oder Familie sind berufsbegleitende FH-Studien oft leichter planbar.
  • Zeitplan: Wer sich erst spät entscheidet, hat an der Uni mehr Spielraum, weil die Fristen später enden.

Ein Tipp aus der Praxis: Schnuppervorlesungen und Info-Tage besuchen. Viele Hochschulen bieten sie in den Semesterferien oder an schulautonomen Tagen an. Wann in welchem Bundesland Ferien sind, zeigt der Ferienkalender aller Bundesländer. Wer etwa in der Steiermark wohnt und die FH Joanneum besuchen will, findet die passenden Termine auf der Seite Schulferien Steiermark.

Weitere Beiträge rund um Schule und Ausbildung gibt es unter Aktuelles.

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Redaktion
Gründer & Chefredakteur bei schulferienkalender.at. Recherchiert Ferientermine, Bildungsthemen und Reisetipps für Familien in Österreich.

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