Bildung28. September 2026

Berufsreifeprüfung: Vollwertige Matura auf dem zweiten Bildungsweg

Wer nach der Pflichtschule eine Lehre gemacht hat, muss auf ein Studium nicht verzichten. Die Berufsreifeprüfung, umgangssprachlich oft Berufsmatura genannt, ist in Österreich seit 1997 gesetzlich geregelt und führt zur allgemeinen Universitätsreife. Rechtlich steht sie der AHS- oder BHS-Matura gleich. Für viele Erwachsene ist sie der Weg zu einem Studium oder zu Stellen, die eine Reifeprüfung voraussetzen, etwa im öffentlichen Dienst.

Wer zur Berufsreifeprüfung antreten darf

Das Berufsreifeprüfungsgesetz nennt mehrere Zugangswege. Zugelassen sind unter anderem:

  • Personen mit abgeschlossener Lehrabschlussprüfung
  • Absolventinnen und Absolventen einer mindestens dreijährigen berufsbildenden mittleren Schule (Fachschule)
  • Personen mit Diplom in der Gesundheits- und Krankenpflege
  • Personen mit Meister- oder Befähigungsprüfung

Die Liste ist nicht vollständig. Auch bestimmte land- und forstwirtschaftliche Facharbeiterprüfungen sowie einige Ausbildungen im Gesundheitsbereich berechtigen zum Antritt. Im Zweifel gibt die zuständige Bildungsdirektion Auskunft, in Oberösterreich etwa die Bildungsdirektion in Linz.

Die vier Teilprüfungen

Die Berufsreifeprüfung besteht aus vier Teilprüfungen, die einzeln und in beliebiger Reihenfolge abgelegt werden können:

  • Deutsch: schriftliche Klausur und mündliche Prüfung
  • Mathematik: schriftliche Klausur, auf Höhe der standardisierten Reifeprüfung an BHS
  • Lebende Fremdsprache: meist Englisch, schriftlich oder mündlich
  • Fachbereich: ein Thema aus dem eigenen Berufsfeld, mit schriftlicher Arbeit und mündlicher Prüfung

Bis zu drei Teilprüfungen können an anerkannten Einrichtungen der Erwachsenenbildung abgelegt werden, also bei WIFI, bfi, Volkshochschulen oder zertifizierten Maturaschulen. Mindestens eine Teilprüfung findet vor einer Prüfungskommission an einer öffentlichen höheren Schule statt. Die letzte Teilprüfung ist frühestens nach dem vollendeten 19. Lebensjahr möglich.

Der Fachbereich kann in manchen Fällen entfallen. Wer bereits eine Meisterprüfung oder eine gleichwertige Qualifikation nachweist, bekommt diese Teilprüfung unter Umständen angerechnet. Das prüft die Schule, an der man antritt.

Berufsbegleitend über mehrere Jahre

Die meisten Kandidatinnen und Kandidaten arbeiten nebenbei Vollzeit. Vorbereitungslehrgänge laufen deshalb abends, am Wochenende oder als Fernkurs mit Präsenzphasen. Wer alle vier Fächer in Kursen absolviert, sollte je nach Vorwissen mit rund zwei bis drei Jahren rechnen. Weil die Teilprüfungen unabhängig voneinander gelten, lässt sich die Belastung strecken, etwa ein Fach pro Semester.

Für Eltern mit schulpflichtigen Kindern hilft ein Blick in den Jahreskalender: Viele Lehrgänge pausieren in den Schulferien, Prüfungstermine liegen dagegen oft kurz vor oder nach den Ferien. Die genauen Ferientermine je Bundesland stehen im Ferienkalender.

Abgrenzung: Studienberechtigungsprüfung und klassische Matura

Die Studienberechtigungsprüfung wird häufig mit der Berufsreifeprüfung verwechselt. Sie berechtigt aber nur zu einer bestimmten Studienrichtung oder Gruppe von Studien. Wer Maschinenbau studieren will, legt andere Fächer ab als jemand, der sich für Rechtswissenschaften interessiert. Ein späterer Wechsel in ein fachfremdes Studium ist damit nicht ohne Weiteres möglich.

Die Berufsreifeprüfung ist dagegen allgemein. Sie öffnet Universitäten, Fachhochschulen und Pädagogische Hochschulen für jedes Fach, sofern keine eigenen Aufnahmeverfahren gelten. Im Unterschied zur klassischen Reifeprüfung an AHS oder BHS setzt sie eine abgeschlossene Berufsausbildung voraus und besteht aus weniger Fächern. Wie sich die Schulformen im regulären Bildungsweg unterscheiden, erklärt der Beitrag AHS oder BHS: Welche Schulform passt zu welchem Kind?. Termine und Ablauf der regulären Reifeprüfung stehen im Artikel zur Matura 2026.

Lehre mit Matura

Seit 2008 gibt es das Modell Lehre mit Matura. Lehrlinge bereiten sich schon während der Ausbildung auf die Teilprüfungen vor, teils in der Arbeitszeit, teils in der Freizeit. Die Vorbereitungskurse sind für Lehrlinge kostenfrei, finanziert vom Bund. Drei Teilprüfungen dürfen bereits vor der Lehrabschlussprüfung abgelegt werden, die letzte erst danach und nicht vor dem 19. Geburtstag.

Wer gerade die neun Jahre Schulpflicht abschließt und eine Lehre beginnt, sollte das Angebot früh mit dem Lehrbetrieb besprechen. Programme und Anmeldung laufen je Bundesland über eigene Koordinationsstellen, in Wien etwa über die Lehre-mit-Matura-Stelle der Bildungsdirektion.

Kosten und Förderungen

Außerhalb von Lehre mit Matura sind die Vorbereitungskurse kostenpflichtig. Je nach Anbieter und Fach summieren sich die Gebühren auf mehrere tausend Euro für alle vier Teilprüfungen. Dazu kommen Prüfungstaxen der Schulen.

Mehrere Stellen übernehmen einen Teil davon:

  • Bundesländer: Einige Länder fördern die Berufsreifeprüfung über Bildungskonten oder eigene Initiativen, in manchen Fällen bis zur vollen Kursgebühr.
  • Arbeiterkammer: Die AK vergibt in mehreren Bundesländern Bildungsgutscheine, die für Maturalehrgänge eingelöst werden können.
  • AMS: Für arbeitsuchende Personen kann die Ausbildung unter bestimmten Voraussetzungen gefördert werden.
  • Steuer: Kurskosten sind als Fortbildungs- oder Umschulungskosten absetzbar, wenn ein Berufsbezug besteht.

Die Förderbedingungen ändern sich regelmäßig. Aktuelle Details stehen bei der jeweiligen Landesregierung und der AK des Bundeslandes. In der Städteübersicht finden sich zudem die Ferientermine für den eigenen Wohnort, was bei der Planung von Kursblöcken hilft.

Für wen sich die Berufsreifeprüfung lohnt

Die Berufsreifeprüfung passt vor allem zu Menschen, die ihren Beruf bereits ausüben und später studieren oder in eine höhere Verwendung wechseln möchten. Pflegekräfte nutzen sie häufig als Brücke zu einem Bachelorstudium an einer Fachhochschule. Handwerker mit Meisterprüfung steigen damit in technische Studiengänge ein. Auch für den Zugang zu Dienstposten im öffentlichen Dienst, die eine Reifeprüfung verlangen, reicht sie aus.

Laut BMBWF legen jährlich mehrere tausend Personen die Berufsreifeprüfung ab, ein erheblicher Teil davon über Lehre mit Matura. Die Abbruchquote ist in berufsbegleitenden Kursen allerdings spürbar. Realistisch planen heißt: ein Fach nach dem anderen, feste Lernzeiten neben der Arbeit und bei Bedarf eine Pause statt eines Abbruchs.

Erste Schritte

Wer antreten möchte, klärt zuerst die Zulassung mit der Bildungsdirektion oder einem anerkannten Kursanbieter. Danach folgt die Wahl des Fachbereichs und der Reihenfolge der Teilprüfungen. Viele Anbieter bieten Einstufungstests in Mathematik und Englisch an, die zeigen, wie viel Vorbereitung nötig ist. Weitere Ratgeber rund um Schule und Ausbildung stehen unter Aktuelles.

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Redaktion
Gründer & Chefredakteur bei schulferienkalender.at. Recherchiert Ferientermine, Bildungsthemen und Reisetipps für Familien in Österreich.

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