Schulbuchaktion: Wie Kinder in Österreich zu ihren Büchern kommen
Wenn im September die Schultaschen wieder voll werden, liegen darin meist neue Schulbücher, für die Eltern an der Kasse nichts bezahlt haben. Dahinter steckt die Schulbuchaktion. Sie gibt es seit dem Schuljahr 1972/73, finanziert wird sie aus dem Familienlastenausgleichsfonds (FLAF). Organisatorisch zuständig sind das Bildungsministerium (BMBWF) und das Familienministerium.
So funktioniert die Schulbuchaktion
Die Bücher werden nicht von den Eltern gekauft, sondern von der Schule bestellt. Die Lehrkräfte wählen aus der Schulbuchliste, einem Katalog approbierter Werke. Approbiert heißt: Ein Buch wurde vom Ministerium geprüft und für den Unterricht an einer bestimmten Schulart zugelassen.
Für jede Schulstufe und Schulform gibt es ein Limit, also einen Höchstbetrag pro Schüler. Innerhalb dieses Rahmens stellt das Lehrerteam die Bücher für eine Klasse zusammen. Die Bestellung läuft im Frühjahr über ein Online-Portal, im Juni oder Juli liefert der Buchhandel an die Schule aus. Zu Schulbeginn werden die Bücher in der Klasse verteilt.
Das Limit ist je nach Schulart unterschiedlich hoch. In einer berufsbildenden höheren Schule mit vielen Fachgegenständen liegt es deutlich über dem einer Volksschulklasse. Die aktuellen Beträge veröffentlicht das Familienministerium jedes Jahr in der Limitverordnung.
Der Selbstbehalt: Was Eltern selbst zahlen
Ganz ohne Beitrag der Familien geht es nicht. Seit den 1990er-Jahren gibt es einen Selbstbehalt von rund zehn Prozent des Limits. Die Schule sammelt diesen Betrag zu Schulbeginn ein, meist über den Klassenvorstand oder gemeinsam mit anderen Beiträgen wie Kopiergeld.
Wie hoch der Betrag genau ausfällt, hängt von der Schulstufe ab. In der Volksschule sind es wenige Euro, in der Oberstufe einer HTL oder HAK kann es mehr werden. Im Vergleich zu den Ladenpreisen der Bücher bleibt der Anteil klein.
Befreiung vom Selbstbehalt
Familien in finanziell schwieriger Lage können eine Befreiung beantragen. Der erste Weg führt zur Schulleitung oder zum Klassenvorstand. Die Schule weiß, welche Nachweise nötig sind, etwa ein Bescheid über Sozialhilfe oder Mindestsicherung. Oft springt auch der Elternverein ein, wenn ein Kind den Beitrag nicht bezahlen kann. Den Antrag stellt man am besten gleich in den ersten Schulwochen, bevor das Geld eingesammelt wird.
Die Bücher gehören dem Kind
Anders als in manchen Nachbarländern werden die Bücher in Österreich nicht verliehen. Sie gehen ins Eigentum des Schülers über. Das Kind darf hineinschreiben, markieren und Übungen direkt im Buch lösen. Viele Arbeitsbücher sind genau dafür gemacht.
Nach dem Schuljahr entscheidet die Familie selbst, was mit den Büchern passiert. Manche heben sie für Geschwister auf, andere geben sie weiter oder verkaufen sie auf Flohmärkten. Ein Teil der Schulen sammelt gebrauchte Bücher für den Unterricht, verpflichtend ist das nicht.
Digitale Schulbücher und E-Book+
Seit einigen Jahren gehören digitale Angebote fest zur Schulbuchaktion. Zu vielen gedruckten Büchern gibt es eine E-Book-Version, die über die Plattform Digi4School der österreichischen Schulbuchverlage freigeschaltet wird. Der Zugangscode steht meist auf der ersten Seite des Buches.
Dazu kommen sogenannte E-Book+-Angebote mit interaktiven Übungen, Audiodateien und Videos. Lehrkräfte können solche Kombipakete ebenfalls aus dem Limit bestellen. Seit der Geräteinitiative in der 5. Schulstufe, bei der Schüler ein Laptop oder Tablet mit Eigenanteil bekommen, werden digitale Bücher in der Unterstufe häufiger genutzt.
Praktischer Tipp: Den Digi4School-Code gleich zu Schulbeginn einlösen und das Passwort notieren. Wer den Code verliert, muss sich an die Lehrkraft oder den Verlag wenden.
Was nicht gedeckt ist
Die Schulbuchaktion umfasst nur Bücher und digitale Lernmedien aus der Schulbuchliste. Alles andere zahlen die Eltern selbst. Dazu gehören etwa:
- Hefte, Mappen und Schreibzeug
- der Schulatlas, sofern er nicht über die Liste bestellt wurde
- Taschenrechner, in der Oberstufe oft ein grafikfähiges Modell
- Zeichen- und Werkmaterial
- Lektüren, die im Deutschunterricht zusätzlich gelesen werden
Gerade der Taschenrechner schlägt in der AHS-Oberstufe spürbar zu Buche. Eine Aufstellung aller Posten findet sich im Beitrag Was ein Schuljahr in Österreich kostet.
Schulstartgeld als Ergänzung
Für die Kosten, die die Schulbuchaktion nicht abdeckt, gibt es das Schulstartgeld. Es wird im September automatisch mit der Familienbeihilfe für Kinder zwischen 6 und 15 Jahren überwiesen. Ein eigener Antrag ist nicht nötig. Familien mit geringem Einkommen erhalten zusätzlich über Sozialhilfe-Stellen und Hilfsorganisationen Unterstützung beim Schulstart, etwa in Form von Gutscheinen für Schulmaterial. Auskunft geben die Sozialabteilungen der Länder.
Was Eltern jetzt tun können
Zu Schulbeginn lohnt ein kurzer Check: Sind alle Bücher der Liste angekommen? Ist der Name eingetragen? Funktioniert der digitale Zugang? Fehlt ein Buch, meldet man das beim Klassenvorstand, denn Nachlieferungen laufen über die Schule. Weitere Punkte für die ersten Wochen stehen in der Schulbeginn-Checkliste.
Wer das Schuljahr plant, findet die nächsten freien Tage im Jahreskalender und die Herbst- und Weihnachtsferien in der Ferienübersicht aller Bundesländer. Für Wien gibt es alle Termine gesammelt auf der Wien-Seite.