Ratgeber15. September 2026

Schlechtes Zeugnis: Wie Eltern in Österreich reagieren

Das Jahreszeugnis kommt am letzten Schultag vor den Sommerferien, in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland Anfang Juli, in den übrigen sechs Bundesländern eine Woche später. Die genauen Termine stehen im Ferienkalender aller neun Bundesländer. Wenn darauf ein Nicht genügend steht, beginnt für viele Familien ein unangenehmer Sommer. Er muss es nicht sein.

Das Zeugnis ist meistens kein Schock

Nach dem Schulunterrichtsgesetz (SchUG § 19 Abs. 3a) gibt es das Frühwarnsystem: Sobald die Leistungen eines Schülers in einem Gegenstand auf ein Nicht genügend zusteuern, muss die Lehrkraft die Eltern verständigen und ein Gespräch anbieten. In diesem Gespräch werden Fördermaßnahmen vereinbart. Wer diese Verständigung bekommen hat, weiß also seit Wochen oder Monaten, worauf es hinausläuft.

Kam die Note trotzdem überraschend, lohnt eine Nachfrage beim Klassenvorstand, ob eine Frühwarnung erfolgt ist und wie sie zugestellt wurde. Das ändert an der Note nichts, klärt aber, ob im Informationsfluss etwas schiefgelaufen ist.

Was ein Nicht genügend rechtlich bedeutet

Ein Nicht genügend: Der Aufstieg in die nächste Klasse ist möglich, wenn die Klassenkonferenz zustimmt. Voraussetzung ist unter anderem, dass der Gegenstand im Vorjahr nicht schon negativ war und die Konferenz erwartet, dass der Schüler mitkommt. Steht auf dem Zeugnis der Vermerk "berechtigt zum Aufsteigen", ist die Sache erledigt. Fehlt er, gibt es die Wiederholungsprüfung.

Zwei oder mehr Nicht genügend: Ab der 5. Schulstufe ist eine Wiederholungsprüfung in bis zu zwei Gegenständen möglich. Sie findet in den letzten Ferientagen statt, konkret ab dem zweiten Tag vor Beginn des Unterrichtsjahres. Wird sie bestanden, geht es regulär weiter.

Klassenwiederholung: Wer die Wiederholungsprüfung nicht besteht oder mehr als zwei negative Noten hat, wiederholt die Schulstufe. Das ist kein Bildungsabbruch. Die neun Jahre Schulpflicht laufen weiter, die Schulform bleibt frei wählbar.

Gegen die Note selbst gibt es keine Berufung. Anfechtbar ist nur die Entscheidung über den Aufstieg, und zwar innerhalb von fünf Tagen nach Zustellung des Zeugnisses bei der zuständigen Bildungsdirektion.

Nicht am ersten Ferientag

Die Schulpsychologie-Bildungsberatung des BMBWF rät, das Gespräch über ein schwaches Zeugnis zu verschieben. Am Ausgabetag sitzen alle unter Druck: das Kind mit schlechtem Gewissen, die Eltern mit Ärger. Was in dieser Stimmung gesagt wird, hilft niemandem weiter.

Zwei oder drei Tage Abstand reichen. Dann lässt sich die eigentliche Frage stellen: Woran hat es gelegen? Die Antwort fällt sehr unterschiedlich aus.

  • Lernlücken: Ein Stoffgebiet wurde nicht verstanden, alles Folgende baute darauf auf. Typisch in Mathematik und in Fremdsprachen. Gut aufholbar, wenn die Lücke gefunden wird.
  • Überforderung durch die Schulform: Das Tempo passt nicht. Ein Wechsel ist keine Niederlage, die Frage AHS oder BHS stellt sich für viele Familien im zweiten Anlauf anders.
  • Belastung außerhalb der Schule: Trennung der Eltern, Krankheit in der Familie, Mobbing, Konflikte in der Klasse. Die Note ist dann ein Symptom, nicht das Problem.
  • Teilleistungsschwäche: Legasthenie oder Dyskalkulie bleiben oft lange unerkannt, besonders bei Kindern, die mündlich gut sind. Eine Abklärung läuft über die Schulpsychologie der Bildungsdirektion und kostet nichts.
  • Kein Interesse: Kommt vor. Auch das ist eine Information, keine Charakterfrage.

Das Gespräch mit der Schule

Der Klassenvorstand kennt das Kind im Klassenverband und sieht Dinge, die zu Hause nicht sichtbar werden. Ein Termin in der letzten Schulwoche oder gleich zu Beginn des neuen Schuljahres bringt oft mehr als jede Vermutung. Sinnvolle Fragen: Woran scheitert es im Unterricht konkret? Gibt es Förderunterricht an der Schule? Was wird bei der Wiederholungsprüfung geprüft und in welcher Form?

Bei der Wiederholungsprüfung besteht Anspruch auf Auskunft über den Prüfungsstoff. Er umfasst den Jahresstoff, kann aber auf die wesentlichen Bereiche eingegrenzt werden.

Unterstützung im Sommer

Die Sommerschule des BMBWF läuft in den letzten beiden Ferienwochen an Standorten in allen Bundesländern, kostet nichts und deckt Deutsch, Mathematik und Englisch ab. Die Anmeldung erfolgt über die Schule, meist im Frühjahr. Wer den Termin verpasst hat, fragt trotzdem nach, Restplätze gibt es manchmal.

Bezahlte Nachhilfe ist die teurere Variante. Die Arbeiterkammer erhebt jährlich, was Familien dafür ausgeben, der Durchschnitt liegt im dreistelligen Bereich pro Kind und Jahr. Ein Überblick über Anbieter und Preise steht im Beitrag zu Nachhilfe in Österreich. Mehrere Bundesländer und Städte fördern Lernhilfe oder bieten sie an eigenen Standorten an, Wien etwa über die Gratis-Lernhilfe der Volkshochschulen.

Schulpsychologie-Bildungsberatung: Jede Bildungsdirektion hat eine eigene Stelle. Beratung ist vertraulich und für Familien gratis, zuständig ist sie auch für Testungen bei Verdacht auf Teilleistungsschwächen.

Rat auf Draht, Notruf 147: rund um die Uhr erreichbar, anonym und ohne Kosten, für Kinder und Jugendliche selbst. Es gibt auch eine Elternseite mit Beratung per Chat und Telefon. Wenn ein Kind nach dem Zeugnis Angst vor der Reaktion zu Hause hat, ist das oft die erste Nummer, die es wählt.

Den Sommer nicht zur Strafzeit machen

Neun Wochen Lernen unter Aufsicht funktionieren nicht. Realistischer sind feste, kurze Einheiten an Werktagen, dazwischen richtige Ferien. Wer mit der Wiederholungsprüfung Ende August rechnet, plant am besten zwei Blöcke: einen im Juli zur Aufarbeitung, eine Pause im August und die letzten zwei Wochen zur Wiederholung.

Für die Urlaubsplanung rund um diese Blöcke hilft der Jahreskalender mit Ferien und Feiertagen, die Terminlage im nächsten Schuljahr steht im Bundesländer-Vergleich.

Und ein Punkt, der in der Aufregung leicht untergeht: Ein Nicht genügend im Zeugnis sagt etwas über einen Gegenstand in einem Schuljahr aus. Nicht über das Kind.

R
Redaktion
Gründer & Chefredakteur bei schulferienkalender.at. Recherchiert Ferientermine, Bildungsthemen und Reisetipps für Familien in Österreich.

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