Bildung4. August 2026

Berufsschule in Österreich: So funktioniert das duale System

Wer in Österreich eine Lehre beginnt, lernt an zwei Orten gleichzeitig. Den größten Teil der Woche verbringt der Lehrling im Ausbildungsbetrieb, den Rest in der Berufsschule. Dieses Nebeneinander von Praxis und Theorie nennt sich duales System. Laut Wirtschaftskammer Österreich (WKO) stehen dafür rund 200 Lehrberufe zur Wahl, vom Metalltechniker bis zur Pharmazeutisch-kaufmännischen Assistentin.

Der Einstieg: Lehrvertrag statt Schulanmeldung

Eine Lehre kann beginnen, wer die neun Jahre allgemeine Schulpflicht erfüllt hat. Was das genau bedeutet, erklärt unser Beitrag zur Schulpflicht in Österreich. Der formale Startpunkt ist der Lehrvertrag zwischen Betrieb und Lehrling. Bei Minderjährigen unterschreiben die Erziehungsberechtigten mit.

Registriert wird der Vertrag bei der Lehrlingsstelle der jeweiligen Wirtschaftskammer im Bundesland. Sie prüft, ob der Betrieb ausbilden darf, und begleitet die Lehre bis zur Lehrabschlussprüfung. Die Berufsschulpflicht entsteht automatisch mit dem Lehrvertrag: Der Betrieb meldet den Lehrling an der zuständigen Berufsschule an.

Drei Formen des Berufsschulunterrichts

Wie oft ein Lehrling tatsächlich in der Schule sitzt, hängt vom Standort und vom Beruf ab. Es gibt drei Organisationsformen:

  • Ganzjährig: mindestens ein voller Schultag pro Woche über das gesamte Schuljahr. Üblich etwa in Wien bei vielen kaufmännischen Berufen.
  • Lehrgangsmäßig (Block): der Unterricht wird auf mehrere Wochen am Stück komprimiert, meist acht bis zehn Wochen pro Lehrjahr. Viele Lehrlinge wohnen während des Lehrgangs im Internat, weil die Landesberufsschule oft nicht am Wohnort liegt.
  • Saisonmäßig: der Unterricht ist auf eine bestimmte Jahreszeit gelegt. Diese Form nutzen vor allem Tourismusberufe, damit die Lehrlinge in der Hochsaison im Betrieb sein können.

Für Familien heißt das: Blockschüler haben keine klassischen Schulferien wie Pflichtschüler. Außerhalb des Lehrgangs gilt das Arbeitsrecht, also der gesetzliche Urlaubsanspruch von fünf Wochen pro Jahr. Wer wissen will, wann die Geschwister frei haben, findet alle Termine im Ferienkalender der neun Bundesländer.

Wer ist zuständig?

Schulrecht ist in Österreich Bundessache. Das BMBWF gibt den Rahmen vor, die Bildungsdirektionen in den Bundesländern setzen ihn um und führen die Berufsschulen als Landesberufsschulen. Die betriebliche Seite der Ausbildung regelt dagegen das Berufsausbildungsgesetz, für dessen Vollzug das Wirtschaftsministerium und die Lehrlingsstellen der WKO verantwortlich sind. Diese geteilte Zuständigkeit ist typisch für das duale System: Schule und Betrieb folgen unterschiedlichen Rechtsmaterien, ergeben aber gemeinsam die Ausbildung.

Lehrlingseinkommen: Bezahlung ab dem ersten Tag

Anders als Schüler an AHS oder BHS verdienen Lehrlinge von Beginn an Geld. Die frühere Bezeichnung Lehrlingsentschädigung wurde 2020 offiziell durch Lehrlingseinkommen ersetzt. Die Höhe legt der jeweilige Kollektivvertrag fest und steigt mit jedem Lehrjahr deutlich an. Aktuelle Beträge pro Beruf und Lehrjahr veröffentlicht die WKO in ihrer Kollektivvertragsdatenbank. Dazu kommen Sozialversicherung und Anspruch auf Sonderzahlungen, sofern der Kollektivvertrag sie vorsieht.

Lehre mit Matura

Seit 2008 lässt sich die Lehre mit der Berufsreifeprüfung kombinieren. Die Vorbereitungskurse laufen parallel zur Ausbildung, für Lehrlinge übernimmt der Bund die Kurskosten. Die Prüfung besteht aus vier Teilen: Deutsch, Mathematik, lebende Fremdsprache und ein Fachbereich aus dem Lehrberuf. Drei Teilprüfungen können schon während der Lehrzeit abgelegt werden, die letzte erst ab dem 19. Geburtstag. Damit steht Absolventen der Weg an Universitäten und Fachhochschulen offen, genau wie nach einer klassischen Reifeprüfung. Wie die Zentralmatura an den höheren Schulen abläuft, zeigt unser Artikel zur Matura 2026.

Unterschied zum deutschen System

Deutschland kennt ebenfalls eine duale Ausbildung, die Unterschiede stecken im Detail. Dort liegt das Schulwesen bei den einzelnen Ländern, in Österreich beim Bund. Die Lehrzeit dauert in Österreich je nach Beruf zwei bis vier Jahre, meist drei. Und die Berufsreifeprüfung als eigener Weg zur vollen Studienberechtigung während der Lehre hat in dieser Form kein direktes deutsches Gegenstück. Wer zwischen beiden Ländern vergleicht, sollte außerdem die Feiertage beachten: Österreich hat 13 gesetzliche Feiertage, die bundesweit gelten. Alle Termine stehen in der Feiertagsübersicht.

Lehre oder weiterführende Schule?

Nach der 8. Schulstufe stehen Familien vor der Wahl zwischen Lehre, AHS-Oberstufe und berufsbildender Schule. Eine BHS verbindet Matura mit beruflicher Qualifikation, dauert dafür fünf Jahre ohne eigenes Einkommen. Die Lehre bringt ab dem ersten Tag Gehalt und mit der Berufsreifeprüfung trotzdem die Studienberechtigung. Welche Schulform zu welchem Kind passt, beleuchtet unser Vergleich AHS oder BHS.

Ein Tipp für die Planung: Viele Betriebe schreiben Lehrstellen schon im Herbst für den Start im Folgesommer aus. Wer sich rechtzeitig bewirbt, kann Schnuppertage oft in die Ferien legen. Die Termine dafür liefert der Jahreskalender mit Ferien und Feiertagen.

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Redaktion
Gründer & Chefredakteur bei schulferienkalender.at. Recherchiert Ferientermine, Bildungsthemen und Reisetipps für Familien in Österreich.

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